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Miszellen Allerlei Wissenswertes und anderes aus den Bereichen Germanistik, Literatur, Philosophie, Technik, Kunst… von Valentin Abgottspon, Staldenried, Schweiz

7Feb/140

Ein paar faustdicke Lügen der Befürworter von «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache»

Gestern hatte ich diesen Flyer im Briefkasten (Visp, Wallis):

Abstimmung Abtreibung Pro Life KK
Jetzt kann man sich einen Spass daraus machen, und dieses Machwerk ausdrucken und alle Lügen, Fehler und Unaufrichtigkeiten markieren. Das Blättchen wird nachher anders aussehen als vorher. Ungelogen!

Es würde mich übrigens interessieren, wer denn dieses Lügenblättchen verantwortet und bezahlt hat. Es steht leider nicht drauf, ob «Ja zum Leben» und die Krankenkasse «Pro Life» für diesen Versand verantwortlich zeichnen. Anzunehmen ist es, denn vom Graphikdesign her entspricht es sehr dem Flyer, der sich auf der Website der Krankenkasse findet.

flugblatt_zur_abstimmung.pdf by Valentin Abgottspon

Dass auf dem Flyer dreist gelogen wird, muss nicht wirklich erstaunen. Mich erstaunt es jedenfalls nicht allzu sehr. Rechtgläubige religiös verbrämte Moralisten dürfen das aus eigener Sicht wahrscheinlich. Man spricht dort ja auch immer von «Mensch» und «Kind», statt von Embryo. Tatsächlich: Auch ein Embryo ist potenziell ein Mensch, aber er IST es eben noch nicht. Das Kriterium (welches von einem säkularen Rechtssystem beachtet werden soll) bei einer Abtreibung muss sein, ob man empfindungsfähigen Lebewesen unnötiges Leid zufügt, und wie man verschiedenes Leid abwägt. Pragmatisch halt. Das Kriterium soll nicht beispielsweise katholische Ideologie und Unwissen betreffend Biologie sein.

Auf der Homepage der Krankenkasse steht auch ein Argumentarium zur Abstimmung vom 9. Februar 2014. (Hier gespeichert, falls später nicht mehr zugänglich.) Dem stelle ich gerne das Argumentarium auf der Seite der Nein-Kampagne gegenüber und die Flyer und Argumente der Freidenker.

Wer bei der Pro Life Krankenkasse* ist, unterzeichnet freiwillig, dass man auf die Leistungen von Abtreibungsfinanzierung verzichtet. Ich frage mich: Gibt es in der Schweiz auch eine Krankenkasse, bei der man für den freiwilligen Verzicht auf Homöopathie und dergleichen unterschreiben kann? Falls es sie nicht gibt: Sollte es nicht eine solche Krankenkasse geben? Oder wenigstens eine derartige Möglichkeit bei verschiedenen Krankenkassen? Ich wäre da ein möglicher Kunde!

*Korrektur/Ergänzung: «ProLife ist keine Krankenversicherung, bloss ein Verein, der für die Mitglieder einen Kollektivvertrag mit der Helsana und einigen andern Versicherungen abgeschlossen hat. Die Prämien für die Grundversicherung sind keinen Rappen billiger!!! Nur bei den Zusatzversicherungen gibt es dank Kollektivvertrag Rabatte. Und wenn ein ProLife-Mitglied trotzdem abtreibt, so muss Helsana zahlen, wenn die Frau nicht freiwillg auf die Zahlung verzichtet. So ist das. Klar: die ProLife lügt wie gedruckt» -Anne-Marie Rey

Ich verweise noch auf meine Kolumne zum «Marsch zum Leben im Oberwallis» bei News.ch 2012: Katholisches Mittelalterfestival im Wallis und auf die Berichterstattung zu unseren diesbezüglichen Aktivitäten 2013 auf der Website der Walliser FreidenkerInnen: Demonstration für Frauenrechte und Selbstbestimmung war ein Erfolg.

NACHTRAG [7.2.2014, 12.30 Uhr]

Weil ich per direct message angefragt wurde, wie ich das mit der Krankenkasse genau meine:

Zuerst einmal die Situation: In der Schweiz besteht die Pflicht, sich krankenversichern zu lassen. Man kann die Krankenkasse frei wählen, jede Krankenkasse muss die Grundversicherung anbieten. Details hier beim Bundesamt für Gesundheit. Im Grundkatalog der Krankenversicherung ist seit 2002 [Korrektur: seit 1981 Pflichtleistung der Krankenversicherung, damals noch unter dem alten Gesetz] auch die Abtreibung drin, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Fristenregelung#Schweiz. Seit 2012 sind aber leider auch Mambojambo-Leistungen wie

die anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die traditionelle chinesische Medizin

drin.

Es gibt die Zusatzversicherungen, siehe Beobachter-Artikel. Man kann da allerhand Versicherungsprodukte wählen. Z.B. dass dann auch die Cranio-Sacral-Therapie abgedeckt wird. Oder Aromatherapie. Meinetwegen sollen die Krankenkassen in den Zusatzversicherungen sogar gewas gegen Feenstauballergien und gegen Computerviren, welche den menschlichen Organismus angreifen anbieten dürfen. Das soll der freie Markt regeln. Und wer betrogen sein will, der soll betrogen sein. Aber beispielsweise für die Homöopathie bleibt für alle einfach so drin und wird mitbezahlt. Auch wenn man (von mir aus aus Glaubens- und Gewissenschaftsgründen...) die Homöopathie und anderen Blödfug nicht mitfinanzieren möchte.

Man kann sich bei der Krankenkasse Pro Life dazu verpflichten, im Falle eines Falles keine Leistung der Krankenkasse für Abtreibung zu beziehen. Obwohl Abtreibung im Grundkatalog ist. Dafür werden dann weniger Prämien fällig.

Meine Idee wäre nun, dass eine Krankenkasse dasselbe für die Komplementärmedizinsachen anbietet. Ich weiss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass ich niemals ein homöopathisches Mittelchen per Krankenkasse finanziert haben will. So ein Versicherungsprodukt (mit einer freiwilligen Verzichtserklärung) würde bei mir auf Interesse stossen. So habe ich das gemeint.

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