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Miszellen Allerlei Wissenswertes und anderes aus den Bereichen Germanistik, Literatur, Philosophie, Technik, Kunst… von Valentin Abgottspon, Staldenried, Schweiz

14Jan/111

„Ungläubige sollen leben, als ob es Gott gäbe“: Der Bischof spricht und der Staatsrat hört brav zu

Dieser Artikel ist am 11. Januar 2011 auf der zweiten Seite des Walliser Boten erschienen.

Grundsätzlich ist es ja schon ein wenig bedenklich, dass die kirchlichen Würdenträger einfach so jedes Jahr eingeladen werden. Aber dass der Kanton Wallis in Sachen Trennung von Staat und Religion/Kirche noch recht weit vom rechtsstaatlichen Durchschnitt entfernt ist, das weiss mittlerweile leider nahezu jeder Schweizer.

Staatsrat(spräsident) Cina erwähnt folgende Tatsache:

Ausserdem sei man von der halben Schweiz in Sachen «Moderne» belehrt worden.

Ob er damit auf das Säkularisationstheater oder doch vielleicht auf die Wolfsgeschichte, vielleicht auch auf den Fall Rappaz anspricht, vermag ich nicht zu entscheiden. Vielleicht war das ja auch eine Spitze gegen den Kollegen Roch, der in Sachen Tipp-Ex-Zensur als willkommene Witzfigur (stets gegen die als solche wahrgenommenen hinterwäldlerischen Walliser...) durch die nationalen Medien getrieben wurde.

Dass es viel eher eine Ethik braucht, statt einer Moral, könnte man bei Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind
nachlesen. Aber dass man Verantwortung zu übernehmen habe, das ist sicherlich ganz richtig. Das werden die Behörden in Stalden übrigens auch noch merken.

Herrn Brunner (Bischof Sitten) gelingt es dann anscheinend recht schnell, die Medien anzuklagen. Ich frage mich aufrichtig, wo denn die Medien das Amt des Vollstreckers übernommen hätten. Der mediale Pranger, an welchen die Kirchen im Missbrauchs- und Vertuschungsskandal meiner Meinung nach ganz zu Recht geraten sind, ist eben nicht ein echtes Gefängnis, in welches meines Wissens eben noch KEIN EINZIGER Geistlicher verfrachtet wurde. So viel zur 'Vollstreckung'.

Seine "interessante Grundsatzüberlegung"

Wenn der Staat die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Einzelnen garantiert und jedem zusichert, seinen Glauben auch in der Gemeinschaft mit anderen und in der Öffentlichkeit zu leben. Muss man sich fragen: Darf der Staat religiöse Zeichen (...) in öffentlichen Räumen verbieten? Steht da nicht das Wohl der Gemeinschaft über den Interessen des Einzelnen?

möchte ich folgendermassen kommentieren: Ja, der Staat garantiert dem Einzelnen und Gruppierungen, seine oder ihre Glaubensüberzeugungen zu leben. Allerdings ist es ein kategorieller Unterschied, ob dieses Glaubenleben im Privaten stattfindet, oder ob es an staatlichen Schulen stattfindet. Staatliche Schulen haben in einem besonderen Masse darauf zu achten, dass sie in religiöser Hinsicht neutral sind. Ein Kruzifix über der Wandtafel ist kein Ausdruck dieser Neutralität, sondern des Gegenteils.

Es gehört eben nicht zur Schweizer Rechtsordnung, dass ein Kanton eine bestimmte Konfession über alle Massen bevorzugen darf, und allenfalls gegen Personen mit abweichenden Überzeugungen drakonisch diskriminierend vorgeht. Ist es etwa in Ordnung, dass sich Behörden (kommunal und kantonal) gegen ein Bundesgerichtsurteil stellen und den sozialen (und pekuniären) Tod einer Lehrperson in Kauf nehmen?
Zudem: Was ist das denn für ein verunsicherter Glaube, der darauf angewiesen zu sein scheint, auch in den öffentlichen Schulen missionieren zu dürfen?

Die angesprochene Studie wird wahrscheinlich die NFP 58 sein. Beim Link kann man sich die Kommentare zu dieser Studie vielleicht einmal durchlesen.

Die Aussage: "Ohne die Kirche würden Dienste in den sozialen und gesellschaftlichen Bereichen noch viel teurer zu stehen kommen" ist eine Behauptung. Auf die Grundlagen für diese Behauptungen würde ich gerne hingewiesen werden.

Ich denke, dass ich folgendes äussern darf: Aus Brunners Äusserungen spricht ein grundsätzliches Miss- oder Unverständnis, wie säkulare Menschen leben, wie eine säkulare Staatsform funktioniert, was laizistische Anforderungen zum Beispiel ans öffentliche Schulsystem sind. Und nicht zuletzt sind seine Worte im Grunde genommen etwas billig. Man wolle sich auch um die Zweifelnden und Suchenden kümmern? Wieso nicht damit beginnen, dass man das Vorgehen der Behörden gegen unbescholtene Bürger verurteilt. Aber darum kümmert man sich halt lieber nicht.

Aus meinen Kommentaren spricht vielleicht auch ein wenig meine Ungehaltenheit über die Gesamtsituation. Es ist an sich schon ein Skandal, dass seit 1990 der Kanton Wallis nicht von Amtes wegen in Sachen Kruzifixurteil dafür gesorgt hat, dass sämtliche Schulen sich an den Richterspruch halten. Es kann doch nicht sein, dass der einzelne Bürger diese Neutralität jeweils erneut einfordern muss, denn alleine diese Forderung vermag eine Ächtung und Diskriminierung beinahe zu garantieren.

WB_11_01_2011Seite02Staatsrat

PDF-Datei des Artikels.

veröffentlicht unter: Freidenker Kommentar schreiben
Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Die wenigen aufgeklärten Walliser, die es dort noch aushalten, mögen mir verzeihen, aber die Reden am Empfang der Walliser Regierung und der WB-Artikel darüber bestätigen das Bild des selbstgerechten, ignoranten, rückständigen Wallisers.

    „Bereit, die Herausforderungen zu meistern“… in einigen Jahrhunderten? Wie, wenn die Querdenker und Gebildeten vergrault werden und eine Schafsmentalität überwiegt (immer schön brav nachblöken, und die ausserhalb der Herde fest verstossen!)?

    Im Wallis gibt es drei Populationen: die, die über dem Recht stehen (Dorffürsten, Clanchefs), die grosse dumpf wiederkäuende Mehrheit, die ihre Rechte nicht in Anspruch nimmt, und dann einige wenige kritischen Denker, denen man das Maul zu stopfen versucht.

    Das Wallis nennt den Rest der Schweiz „Üsserschwiiz“. Das Wallis ist für mich „Jensiits-Schwiiz“!

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