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Miszellen Allerlei Wissenswertes und anderes aus den Bereichen Germanistik, Literatur, Philosophie, Technik, Kunst… von Valentin Abgottspon, Staldenried, Schweiz

1Jan/118

Mein Kirchenaustritt

Anbei die Dokumentation zu meinem Kirchenaustritt. Es geht freilich auch einfacher (siehe Hinweise am Schluss des Artikels), aber so geht es halt auch. Statt einen Musterbrief zu versenden, kann man auch eigenständig seine Gedanken formulieren. Das habe ich wie folgt getan:

1) Kirchenaustrittsschreiben vom 2. Dezember 2009
2) Am 7. Dezember teilte mir der Dorfpfarrer den Wunsch nach einem Gespräch mit, welches dann am 13. Dezember auch stattfand.
3) Am 13. Dezember erhielt ich die Bestätigung des Kirchenaustritts, mitsamt dem ausdrücklichen Bedauern kirchlicherseits. Im Schreiben wird formuliert: "Es ist unsere Hoffnung und unser Gebet, dass dieser Moment der Verwirrung nicht von Dauer ist."

Valentin Abgottspon
Schlüëchtji
3933 Staldenried

Staldenried, 2. Dezember 2009

Pfarrei Staldenried
z. Hd. Titus Offor
3933 Staldenried

Austritt aus der römisch-katholischen Kirche

Sehr Geehrte,

mit diesem Schreiben und mit sofortiger Wirkung trete ich aus der römisch-katholischen Kirche aus.

Ein Rechtfertigungszwang meinerseits besteht nicht (Artikel 15.4 der Bundesverfassung). Trotzdem mag es hilfreich erscheinen, wenn ich hier ein paar Gedanken dazu anbringe:

Es bewegen mich viele Gründe zu dieser Handlung. Da ich überzeugter Säkularist und Atheist bin, kann es einfach nicht mehr angehen, dass ich (wenn auch schon seit vielen Jahren nur noch in der Kartei oder dem Mitgliederverzeichnis) Mitglied einer Kirche bin. Aus familiären und gesellschaftlichen Gründen ist der Austritt von mir immer wieder hinausgezögert worden. Ich finde das mittlerweile intellektuell nicht mehr redlich oder erträglich.

Jeder Franken an Steuergeld, der in diese Richtung fliesst, ist für mich ein Franken zu viel. (Bischof Richardson, Vertuschung von (Kindes-)Misshandlungen durch die Kirche/den Vatikan, die Haltung gegenüber Homosexuellen, Position bei Verhütungsmitteln ...)

Es wäre noch vieles anzuführen. Problematisch scheint mir im Spezielleren, dass heute und in West- und Mitteleuropa sich die Kirche vieles auf die Fahnen schreibt, das nicht von ihr, sondern gegen sie von der Aufklärung durchgesetzt wurde. (Menschenrechte, ethischer Liberalismus, Gleichberechtigung, ein gewisses Mass an Prosperität durch Wissenschaft und Technik etcpp.) Auf vielen Feldern ist die Macht der Kirche noch nicht gebrochen. Auch daher scheint es mir umso wichtiger, dass gerade ein Mensch wie ich – im Dienste der Menschen stehend – aus der Kirche austritt, allem Religiösen widersagt und dazu auch mehr oder weniger öffentlich steht.

Es ist hier nicht der Ort, diesen ganzen Komplex weiter zu erörtern. Es gibt dazu genügend Bücher.

Es ist mir jedoch ein Anliegen zu bemerken, dass ich nicht aus irgendeinem Trotze heraus austrete. Es sind vor allem Bildung, Erfahrung, Wissen und ein Quentchen Intelligenz, die mich dazu zwingen. Es ist nicht etwa denkerische Faulheit oder Bequemlichkeit, an Sakramenten teilzunehmen oder irgendeine "Defizienz" der Empfindungsfäghikeit dem "Höheren" gegenüber. Es ist die tief empfundene Überzeugung, dass dieser Weg der falsche ist. Und selbst wenn Sie die Apostasie eines Getauften nicht ernst nehmen wollen (oder akzeptieren; gemäss Theologie/Kirchenrecht bleibe ich angeblich auch als aus der Amtskirche ausgetretene Person ein Christ), so versichere ich Ihnen: Ich bin nicht weiterhin Christ. Ich betrachte dieses Schreiben also auch als Zeugnis oder Ritual meiner Ent-Taufung, meiner Ent-Konfirmation. Meine mehr oder weniger feierliche Entchristianisierung also.

Wollen Sie mir bitte den Austritt schriftlich bestätigen, damit ich diesen Sachverhalt auch den weltlichen Behörden mitteilen kann (betrifft Register und steuerliche Belange). Löschen Sie zudem bitte alle persönlichen Daten und Dokumente, die sich auf mich beziehen. Allfällige Einträge im Kirchenbuch, Taufregister und Ähnlichem sind ebenfalls zu löschen. Für den Fall, dass dies nicht vorgesehen ist, sind sie zumindest um die Information des Austrittes zu ergänzen.

Detaillierte Angaben zur Person: Valentin Abgottspon, des Alfred, geboren am 25. September 1979.

Mit freundlichen Grüssen,

Valentin Abgottspon

Kirchenaustritt

Bitte um Gespräch

Austrittsbestätigung mit Bedauernsbekundung und Besserungswunsch

Beim ursprünglichen Austrittsbrief wären folgende Fehler zu korrigieren:

    Statt "Bischof Richardson" müsste es freilich "Bischof Williamson" heissen
    und bei der "Empfindungsfähigkeit" hat sich ein Vertipper eingeschlichen.

Aber für die historisch-kritische Abgottspon-Ausgabe wurde der Originalbrief hier unverändert publiziert.

Die einfachere Variante wäre:
a) Schweizer aus normalen Kantonen folgen den Hinweisen auf www.frei-denken.ch, da ist ein Musterbrief zum Kirchenaustritt vorhanden. Üblicherweise leitet man die Austrittsbestätigung dann an die Wohngemeinde weiter und braucht fürderhin keine Kirchensteuer mehr zu entrichten. Falls es beim Austritt Probleme gibt oder Fragen auftauchen, hilft die Geschäftsstelle der Freidenker-Vereinigung der Schweiz weiter.
b) Für Walliser haben wir ein eigenes Formular kreiert. Wir haben schon Haarsträubendes erlebt, was den Kirchenaustritt (oder dessen Verschleppung und Verunmöglichung durch Priester) angeht. Wir sind um eine Rückmeldung bei Schwierigkeiten dankbar. Bei vielen Gemeinden muss man das Formular zur Rückforderung des Kultusbeitrages jedes Jahr erneut der Steuererklärung beilegen. Auch hier wären wir über eine Rückmeldung, wie das von den verschiedenen Gemeinden gehandhabt wird dankbar.

Kirchenaustritt01
Kirchenaustritt02
Kirchenaustritt03

Kommentare (8) Trackbacks (0)
  1. Ist auch als Test gedacht, wie die Twitter- und Facebook-Integration so funktioniert.

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  2. Eine absolute Frechheit ist der Schlusssatz der Austrittsbestätigung: „…, dass dieser Moment der Verwirrung nicht von Dauer ist.“
    Werden alle austretenden Katholiken – in einem offiziellen Schreiben(!) – derart beleidigt?
    Wenn man jetzt umgehend zurückschreiben würde, dass man selbst sehr luzide sei und sich ganz im Gegenteil um die Wahnvorstellungen seiner katholischen Mitbürger sorge – ja dann würde es wieder heissen: So ein gehässiger (oder „militanter“) Atheist!

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  3. Da manifestiert sich der Geist der RKK in seiner ganzen dumm-dreisten Selbstgerechtigkeit. Aber was will man anderes erwarten von dieser Institution?

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  4. Das isch ja komplett gsteert! Mal lüegu was mi hiä ds Bäru mima Üstritt erwartut… Merci für alli Infos!

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  5. Ich bin Atheistin. Eine Anmassung ist es hingegen aus dem kläglichen Versuch der intelligenz-versierten Argumentation einen Austritt zu formulieren. Denn Glauben entzieht sich, aus Erfahrung, eines Solchen. Ist den letztlich der hier hochgepriesene Atheismus nichts anderes, als ein katholischer, sei es römischer Natur oder anderer Glaubensstilen ähnlicher, jeglicher empirischer Erfahrung fremder, Versuch die Welt zu deuten, was wir Menschen lieben zu tun, jedoch sich jeglichem Recht entzieht? Letztlich verbleibt kein Beweis für jenes oder solches und nur die Unendlichkeit der Dinge wird deren letzte und absolute wahrheitsgetreue Lösung preisgeben. Wohl bekomms.

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  6. Lieber X,

    IM PRINZIP ist die Sache sehr einfach: Du nimmst das Austrittsschreiben bei http://www.frei-denken.ch/de/dienstleistungen/wegleitungen/kirchenaustritt/
    Für dich: Deutsch: http://www.frei-denken.ch/de/wp-content/uploads/2008/02/Austrittsschreiben.doc

    Sonderfall Wallis: http://www.frei-denken.ch/de/2008/02/faq-zum-kirchenaustritt/

    Ich kenne mein Taufdatum und meinen Taufort nicht, was soll ich tun?

    Diese Angaben sind für eine wirksame Austrittserklärung nicht nötig. Erfahrungsgemäss insistieren viele katholische Pfarreien auf diesen Angaben – ob aus Unkenntnis oder aus Schikane bleibe dahin gestellt. Schreiben Sie, dass Sie das nicht wissen und auf eine Meldung an die Taufgemeinde keinen Wert legen.

    Achtung: im Kt. Wallis ist seit 2011 gemäss Weisungen des Bistums für Katholiken die Taufgemeinde zuständig für die Bestätigung des Kirchenaustritts.

    Falls du also weisst, wo du getauft worden bist: Dahin senden. Falls du das nicht mehr wüsstest: Bei Wohngemeinde versuchen und bei Problemen an uns wenden.

    Oft senden dir die Priester dann einen Brief, in welchem sie zu einem Gespräch einladen, um das weglaufende Schäfchen vielleicht noch zum Umdenken zu bewegen oder auch um besser zu verstehen, was denn zum Austritt bewogen hat. Falls du zu diesem Gespräch gehen willst, darfst du natürlich. Falls du keine Lust dazu hast, kannst du auf das Austrittsformular vermerken: «Ich wünsche kein Gespräch mit Ihnen über meine Gründe zu führen. Bitte stellen Sie mir eine Austrittsbestätigung innert 14 Tagen zu.» (Auf dem Walliser Formular http://www.wallis.frei-denken.ch/wp-content/uploads/Kirchenaustrittserkl%C3%A4rung1.pdf steht das übrigens bereits draufgeschrieben.)

    Wir haben leider im Wallis schon allerhand erlebt, mittlerweile scheinen aber die Priester auch gemerkt zu haben, dass es schlecht ist, sich querzustellen. Führte immer mal wieder zu Medienberichten.

    Du kannst auch unsere Walliser Formulare verwenden: http://wallis.frei-denken.ch/?p=702

    Beim Link findest du auch Schema für Vorgehensweise. Das ist für Priester oder Pfarreiräte ganz gut geeignet, damit die nicht auf falsche Gedanken kommen/sich quer stellen.

    Eine WALLISER SPEZIALITÄT stellt die Rückforderung dar: http://wallis.frei-denken.ch/wp-content/uploads/R%C3%BCckforderung.pdf

    Das hat eigentlich mit dem Austritt nichts zu tun, aber ich nehme an, du willst die RKK so wenig wie möglich mitfinanzieren.

    Du solltest dem ersten solchen Rückforderungsgesuch die Austrittsbestätigung beilegen.

    Es gibt Gemeinden, die jährlich verlangen, dass du die Rückforderung wieder beilegst, es gibt aber auch Gemeinden, die erstatten dir den Kultusbetragsanteil dann einfach so in den zukünftigen Jahren zurück. Wir haben gehört, dass z.B. die Gemeinde Visp nach der ersten Rückforderung jeweils ohne weitere Rückforderung zurückerstattet.

    Ich würde auf Nummer sicher gehen, und es jedes Jahr ausdrucken und beilegen. Im Prinzip würde wohl sogar ein handschriftlicher Vermerk auf der Steuererklärung reichen.

    Ich hoffe, dir damit gedient zu haben. Und falls du das eingesparte Geld in Zukunft sinnvoller einsetzen willst, als es der RKK in den Rachen zu schmeissen: Hier kannst du der FVS beitreten: http://www.frei-denken.ch/de/aboutfvs/mitmachen/beitrittserklarung/
    Oder hier für ein gutes, säkulares, sinnvolles Projekt spenden: http://www.frei-denken.ch/de/2013/03/patenschaft-fur-dalit-gemeinde-hilfe-zur-selbsthilfe/

    Ich hoffe, dir geholfen zu haben. Ist jetzt ein langer Text geworden. Ist eigentlich einfacher, als es aussieht.

    LG, Valentino

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  7. ich glaube an Gott, aber nicht an so einen Unsinn was die Kirche zu ihrem Vorteil verzapft.
    Ich glaube dass alles was existiert ein Teil von Gott ist, und ein Teil davon schreibt gerade diesen Text. google > > pantheismus
    Damit erlebt Gott alle Varianten des Lebens, alle Lebewesen im Universum und Multiversum(?) und alles was es gibt.

    Wie viele Menschen kamen durch die Kirche um oder wurden gefoltert?
    Mehr als durch die Nazis?

    Komisch dass nur das HakenKREUTZ verboten ist …

    Von Deutschland abfliessende Idiotensteuer Live:
    http://www.live-counter.com/vatikan-einnahmen/

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  8. In der Roten Anneliese vom Februar 2012 wurde ein Fall verzeichnet, bei dem wir mehr als ein Jahr dran bleiben mussten, um den Kirchenaustritt bestätigt zu bekommen.

    Für die Rückforderung des Kultusbeitrags (Formular der Steuererklärung beilegen: http://wallis.frei-denken.ch/?p=702 ) ist das Austrittsdatum relevant, nicht eine allfällige Bestätigung des Kirchenaustrittes.

    http://www.roteanneliese.ch/wp-content/uploads/2012_RA_Nr_221.pdf (Seite 5)

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